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06 September 2012

Ich liebe Kirchen

Keine Angst ihr lieben Atheistinnen und Atheisten, es geht hier nicht um Religion. Es geht auch nicht um irgendwelche kirchliche Institutionen obwohl sicher einige davon ihre jeweiligen Berechtigungen haben und auch sinnvoll sind. Es geht um etwas, das ich sonst nirgends in dieser Form finde; es geht um das Gebäude an sich und um Stille. Nicht diese Ruhe, die man auf dem Land oder in einem abgeschlossenen Raum findet, Idylle oder Einsamkeit. Stille. Stille ist etwas sehr schwer zu beschreibendes. Aber ich meine genau diese Stille, die man in Kirchen und Klöstern findet. Diese mit Andacht gefüllte, kühle, weihrauchgeschwängerte Stille. Diese Stille in die ich mich zurücklehnen kann. Ich lasse dann meine Gedanken schweifen und tauche ab in eine andere Welt. Kirchen sind meiner Meinung nach etwas unglaublich faszinierendes. Dieser tiefe Glaube, der Menschen dazu gebracht hat, ihr ganzes Leben lang Pläne zu zeichnen oder Steine aufeinanderzuschichten, bewundere ich. Diese kleinen Ewigkeiten, welche man den Kirchenwänden ansieht, suche ich. Nicht selten habe ich mich schon gefragt, welche Wünsche und Träume, Hoffnungen und Glückseligkeiten, aber auch Trauer, Schmerz und Verzweiflungen in diesen Wänden ruhen. Und die Wände nehmen einfach an. Auf ihre tröstlich tröstende Art sind sie still und kühl. Sie verurteilen nicht und hören nur zu. Und ich bin überzeugt davon, dass ein Teil dieser Gedanken seine Spuren in den Wänden hinterlassen hat. Dass genau die Wucht dieser Spuren diese "meine" Stille eingrenzt und beschreibt.
Aber die Stille wird auch von dem geprägt, was uns Menschen ausmacht; Schmerz und Glück. Menschen werden beerdigt, getauft, verheiratet und nirgendwo sonst liegen Leben und Tod über so viele Generationen schon beisammen, wie in einer Kirche.
Und immer wenn ich diese Stille suche, wenn ich alleine sein muss, nachdenken muss, Ruhe benötige, gehe ich in eine Kirche. Und wenn ich mit meinen Gedanken ganz nahe bei jemandem sein will, zünde ich Kerzen an. Der, meiner Meinung nach, schönste Brauch, um Anteilnahme, Verbundenheit, Hoffnung und Liebe darzustellen sind Kerzen. Es rührt mich jedes Mal fast zu Tränen, wenn ich eine in Gedanken versunkene oder trauernde Familie beobachte, welche Kerzen entzündet. So viele kleine Wärme- und Trostspender. Und die Wärme, die man anderen wünscht erhält man beim Entzünden sofort zurück. Und nirgendwo sonst brennen so viele Lichter der Hoffnung aus so vielenen unterschiedlichen Gründen direkt neben- und beieinander, wie in einer Kirche.
Und auch darum liebe ich Kirchen.

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