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23 Januar 2012

Fensterblicke

Die Wand

Ich blicke aus dem Fenster.
Betrachte Häuser, Fenster, Blumen.
Grau in grau, beige, braun.
Ockerfarbene Fensterläden, welkes Grünzeug.

Ab und zu ein Gesicht an einem Fenster,
Eine Bewegung, ein wehender Vorhang.
Selten auch Blickkontakt
Und bei näherer Betrachtung Dekoration.

Häuser sind wie Menschen.
Aussen ist alles anders, als im Innern.
Und von Aussen sieht alles stiller aus.
Stiller, als es im Innern ist.

Doch das Innere sehen wir nicht.
Nicht auf den ersten Blick.
Manchmal nicht einmal auf den zweiten.
Und doch geben wir vor, zu wissen.

Durch die Scheibe gesehen,
An die Hauswand geblickt
Und doch nur an der Oberfläche gekratzt.
Ganz wenig gefunden, vieles erahnt.

Aber wenn man dann mal auf einer Spur ist
Und vielleicht mehr erahnt, als man sieht
Wagt man nicht, zu fragen.
Weil die Antworten fürchterlich sein könnten.

Und wenn sich Abgründe auftun
Und wenn wir jemanden verzeifeln sehen.
Wir greifen nicht ein.
Angst vor einem zu-nahe-Treten.

Dann ein wenig Nachdenken,
Intensives Betrachten der Hauswand gegenüber.
Und wir merken: Menschen sind wie Häuser.
Alles nur Fassade.

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