Rezension: Es war einmal Indianerland

 
Es war einmal Indianerland - Nils Mohl

Erster Band der Stadtrand-Trilogie

Beschreibung des Verlages:
Stell dir vor, du bist 17 und lebst in den Hochhäusern am Stadtrand. Der Sommer ist heiß. Es ist Mittwochnacht, als dir Jackie den Kopf verdreht. Im Freibad. Fuchsrotes Haar. Sandbraune Haut. Stell dir vor, wie dir die Funken aus den Fingern sprühen vor Glück. Und plötzlich fliegt die Welt aus den Angeln: Zöllner erwürgt seine Frau. Edda, die 21-Jährige aus der Videothek, stellt dir nach. Mauser steigt mit Kondor in den Ring. Immer wieder meinst du, diesen Indianer mit der Adlerfederkrone zu sehen. Und dann zieht zum Showdown ein geradezu biblisches Gewitter auf – fühlt es sich so an, erwachsen zu werden?
Kommt am 26. Oktober 2017 in die deutschen Kinos!

Meine Meinung:
Dieses Buch liegt seit 2013 auf meinem SuB. Ich habe es mir direkt nach der Lektüre des Nachfolgebandes "Stadtrandritter" gekauft. Erst beim Durchstöbern der Verlagsseite habe ich bemerkt, dass es ja sogar noch einen dritten Teil der Reihe gibt, den ich mir sicher bei Gelegenheit einmal gönnen werde. Die einzelnen Bände lassen sich aber unabhängig voneinander lesen. Einzelne Personen kommen zwar immer wieder vor oder manchmal nimmt die Handlung auch Bezug auf spätere oder vergangene Ereignisse, dies sorgt beim Lesen aber weder für Verständnisschwierigkeiten, noch für Lücken im Erzählfluss.
In diesem ersten Band der Reihe lernen wir den Protagonisen Mauser kennen und verbringen einen Sommer mit ihm. Einzelne Ereignisse dieses Sommers erleben wir wie in Zeitschleife immer wieder und bei jeder Wiederholung kommen neue Elemente und Details ans Licht, welche die Leerstellen der Erzählung füllen. Diese Erzählweise wird auch im zweiten Band der Reihe angewendet und ich erinnere mich, dass einige Leserinnen und Leser damals bei der Leserunde von Lovelybooks Mühe hatten mit den vielen Zeitsprüngen. Mich selber haben sie aber nicht gestört, sondern eher noch näher an den Protagonisten heran und in seine Welt hinein gelassen.
So nämlich erkennt der Leser nach und nach, welchen täglichen Problemen sich Mauser stellen muss. Nicht nur, dass er sich als Boxer auch gerne einmal einen Kampf unter "Freunden" liefert oder sich nicht wirklich zwischen zwei plötzlich aufgetauchten Frauen entscheiden kann, nein. Er sieht sich nämlich auch noch mit der Ermordung seiner Stiefmutter durch seinen eigenen Vater konfrontiert und mit dem Ferienende, das wie ein Ziel und ein Schlussstrich zugleich drohend in der Luft hängt und stetig näherrückt.

Schreibstil und Handlung:
Wie bereits erwähnt sind die kurzen Sequenzen, die schnellen Wechsel zwischen den Zeiten, sehr einem Film und seinen schnellen Schnitten nachempfunden. Auch der Protagonist Mauser, der ein wenig gefangen scheint in seinem Leben und den vielen Rückblenden, sowie seinen Suche nach einem Platz in der Welt und die beschwerliche Reise des Erwachsenwerdens passen da sehr gut ins Konzept. So auch die Teilung des Buches in zwei gleiche Teile, wobei sich jeweils ein Kapitel des zweiten Teiles auf eines des ersten Teiles bezieht und so weiter. Diese total durchdachte Konstruktion ist gleichzeitig so genial, dass sie auffällt und trotzdem so gut ausgearbeitet, dass sie eigentlich gar nicht konstruiert wirkt.
Von der Handlung her passiert nicht die grosse Masse an Handlung, sondern es geschehen vielmehr kleine Sequenzen, die immer wieder neu beleuchtet, besetzt und betrachtet erzählt werden. Natürlich gibt es spannende Handlungselemente - von denen ich euch jetzt nicht mehr berichten will (ich erinnere da nur an ein Wildschwein, hach, dieses Wildschschwein) - die mich wirklich umgehauen haben und wenn man sich erst einmal mit der ganzen Symbolik befasst hat, dann entdeckt man immer mehr noch kleinere Details, die so unwichtig scheinen und doch so eine grosse Rolle innehaben, dass man gar nicht wirklich über Handlung sprechen kann sondern vielleicht eher über einen Teppich, der immer weitergewebt, mit neuen Farben bestückt und und Glitzerfäden verziert wird.
Und die düstere Grundstimmung, das Warten auf den erlösenden Regen und das drohende und zugleich ersehnte Ferienende erinnert ausserdem an den grandiosen Roman "Misfit", den ich ebenfalls nur empfehlen kann.

Meine Empfehlung:
Wie bereits verraten, kann ich euch dieses Buch nur empfehlen. Lasst euch nicht täuschen von Mauser, geniesst die Hitze und die Spannung, sowie die unendlichen Möglichkeiten, die man - zumindest in Büchern - nur in den Sommerferien hat.

Zusätzliche Infos:
Titel: Es war einmal Indianerland
Autor: Nils Mohl, geboren 1971, lebt und arbeitet in Hamburg. Für seinen Roman «Es war einmal Indianerland» wurde er u. a. mit dem Oldenburger Kinder- und Jugendbuchpreis und mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet.
Paperback: 352 Seiten
Sprache: Deutsch
Verlag: rororo rotfuchs
Erscheinungstermin: 01.02.2011
ISBN: 978-3-499-21552-0

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