Kurzrezension: Die Steinflut

 
Die Steinflut - Franz Hohler

Beschreibung des Verlages:
Am 9. September 1881 in einem kleinen Dorf hoch oben in den Schweizer Bergen: Die kleine Katharina wird zusammen mit ihrem jüngeren Bruder zu den Großeltern geschickt. Dort sollen beide die nächsten Tage verbringen, bis die Mutter ihr sechstes Kind zur Welt gebracht hat. Doch es kündigt sich noch ein anderes Ereignis an. Von einem Hang sind einige Felsbrocken ins Tal hinabgestürzt und der ganze Berghang könnte sich lösen und das Dorf unter sich begraben. Daran möchte niemand glauben, am allerwenigsten die Arbeiter im Schieferbruch, die mit ihren Händen ganze Familien ernähren. Aber der Berg führt in Franz Hohlers hochgelobter, in der Tradition der besten Schweizer Literatur stehenden Novelle sein Eigenleben …



Meine Meinung:
Wer hier schon länger mitliest, kennt meine anderen Rezensionen der Bücher von Franz Hohler (HIER und HIER) und meine grosse Begeisterung für seine Sprache, seinen ganzen Stil, seine skurrilen Ideen und den Hang zum Dramatischen und Tragischen, den er immer wieder an den Tag legt. Bisher mochte ich an den Büchern von Franz Hohler, dass Naturkatastrophen und menschliche Schwächen sich kombinieren und oft fatale Ereignisse zur Folge haben.
In "Die Steinflut" befinden wir uns mit der kleinen Katharina und ihrem Bruder Kaspar bei ihrer Grossmutter in Elm. Dieses Dorf im Kanton Glarus ist der Schauplatz eines Ereignisses, das tatsächlich genau so stattgefunden hat. Und obwohl ich natürlich wusste, wie die Geschichte enden wird, war ich gefesselt, mitgerissen und berührt. Das Leben und die Sorgen und Nöte der einfachen Leute in dieser Region (die ich gut kenne), das wahre historische Ereignis, der im Detail geschilderte Tagesablauf von Katharina und ihrem Bruder und Katharinas Sicht auf alles, was sie sieht und erlebt, lassen diese Novelle zu einem sehr authentischen Leseerlebnis werden. Gerade die kindliche Innensicht beschreibt Hohler sehr fassbar und ich habe mich sofort in Katharina einfühlen und mit ihr mitfiebern können.
Zum Inhalt möchte ich aber nicht mehr verraten, weil das Buch wirklich von Anfang bis Schluss fesselt, sogar wenn man die historischen Ereignisse kennt.

Meine Empfehlung:
Ein fesselnder und bildhafter Schreibstil und sehr fassbare Protagonisten vor dem Hintergrund historischer Ereignisse machen die Novelle "Die Steinflut" zu einem kleinen Stern im deutschsprachigen Literaturhimmel, weshalb ich sie sehr gerne weiterempfehle.

Zusätzliche Infos:
Titel: Die Steinflut
Autor: Franz Hohler wurde 1943 in Biel, Schweiz, geboren, er lebt heute in Zürich und gilt als einer der bedeutendsten Erzähler seines Landes. Franz Hohler ist mit vielen Preisen ausgezeichnet worden, u.a. erhielt er 2002 den Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor, 2005 den Kunstpreis der Stadt Zürich, 2013 den Solothurner Literaturpreis, 2014 den Alice-Salomon-Preis und den Johann-Peter-Hebel-Preis. Sein Werk erscheint seit über vierzig Jahren im Luchterhand Verlag.
Taschenbuch: 176 Seiten
Sprache: Deutsch
Verlag: btb
Erschienen: 12.09.2011
ISBN: 978-3-442-74269-1 

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