Rezension: Erntedank

Entedank, Kluftingers zweiter Fall - Volker Klüpfel/Michael Kobr

Beschreibung des Verlages:
Der Allgäuer Kriminalkommissar Kluftinger traut seinen Augen nicht: Auf der Brust eines toten Mannes in einem Wald bei Kempten liegt, sorgfältig drapiert, eine tote Krähe. Im Lauf der Ermittlungen taucht der Kommissar immer tiefer in die mystische Vergangenheit des Allgäus ein, und es beginnt ein Katz-und-Maus-Spiel mit dem Mörder, bei dem die Zeit gegen ihn arbeitet. Denn alle Zeichen sprechen dafür, dass das Morden weitergeht … Mit eigenwilligen Ermittlungsmethoden riskiert der liebenswert-kantige Kommissar einen Blick hinter die Fassade der Allgäuer Postkartenidylle und deckt Abgründe auf.

Meine Meinung:
Ich wollte ja eigentlich meine Rezensionen immer sofort tippen, habe es aber im Februar nicht ganz geschafft. Deswegen liefere ich euch diese Rezension nun unbedingt nach und veröffentliche erst dann meine Lesestatistik, sonst zögere ich das noch mehr hinaus. "Lies ein Buch, auf dessen Cover ein Tier mit Gefieder zu sehen ist" forderte Diana in ihrer Nieder mit dem SuB-Challenge 2017. "Kann ich", dachte ich mir da nur und griff zu "Erntedank", dem zweiten Teil einer Krimireihe. Schnell merkte ich aber, dass dies total egal war, schliesslich tauchte im ganzen Buch nicht ein einziger deutlicher Hinweis auf den ersten Fall auf, was ich sehr gut finde, da ich nun total unabhängig weiterlesen kann. Gerade bei Krimireihen ist das ja manchmal wirklich sehr praktisch.
Dafür wirkte es aber auch so, als hätte Kluftinger noch nicht die jahrelange Erfahrung, die er vorgibt zu haben. Gut, er hat es nicht oft mit einer Leiche zu tun, dass man aber Beweise nicht einfach "andatscht" und abgesperrtes Gelände nicht betreten sollte, nun ja, das hätte ich mir aber nicht mehrmals sagen lassen müssen. Grundsätzlich wirkt der Herr Hauptkommissar auf den ersten Blick nicht allzu helle, was aber durchaus auch in seinem Interesse liegt, sein Spürsinn nämlich, der kann sich nämlich sehen lassen. Die Grundstimmung des Buches ist zwar schon auch ein wenig düster, was vor allem an der authentisch dargestellten Betroffenheit der Ermittler über die Leichenfunde und der mystischen Sagenwelt, die für die Handlung eine wichtige Rolle spielt, liegt, aber es geht in "Entedank" durchaus auch sehr humorvoll zu, was wir unter anderem der grosszügigen Verwendung des Dialekts, aber auch der Gemütlichkeit, Geselligkeit und Fresslust der Ermittler, sowie Kluftingers liebenswerter Frau zu verdanken haben.

Schreibstil und Handlung:
Wie bereits erwähnt kommt die ganze Geschichte in einer sehr charmanten, mit Dialektwörtern gespickten, Sprache daher, die sich flüssig liest. Der Protagonist, Hauptkommissar Kluftinger, ist total liebenswert, wenn auch manchmal ein wenig unbeholfen und schafft es, mit ungewohnten Ermittlungsmethoden und seinem guten Riecher, noch die entlegensten Spuren aufzuspüren. Auch die anderen Mitarbeiter seiner Abteilung legen sich mächtig ins Zeug, manchmal mehr, manchmal weniger erfolgreich. Aber sie alle werden sehr plastisch dargestellt und ich habe die kunterbunte Truppe sofort ins Herz geschlossen.
Auch die Handlung, welche immer wieder sehr düstere Züge aufweist und sich an der Allgäuer Sagenwelt orientiert und zugleich alte Dichtung miteinbezieht - was zudem für eine hervorragende Recherche der Autoren spricht - passt in diese Gegend hinein. Das ländliche Leben mit all seinen Vorurteilen und der scheinbaren Idylle, die dann doch einige Risse bekommt, kommt in der Geschichte nicht nur gut weg. So ist es zwar ein Vorteil, dass im Dorf jeder jeden kennt, und trotzdem wird der Kreis der Verdächtigen in einem kleinen Ort natürlich auch schnell kleiner und wohlbekannter... Zudem denke ich, dass Kluftiger und seinem Team - trotz allem - einige ermittlungstechnische Fehler unterlaufen sind, die so vielleicht hätten verhindert werden können. Aber das sind Details, die wohl einfach zu einem Krimi dazugehören.

Meine Empfehlung:
Mich hat dieses Buch sehr gut unterhalten und obwohl die letzten hundert Seiten lang klar war, wie es enden würde, war "Erntedank" doch sehr spannend, düster, atmosphärisch und das Ermittlerteam erfrischend anders, ein wenig kauzig, aber trotzdem liebenswert. Zu erwähnen gilt es vielleicht noch, dass die Buchseiten sehr eng und klein bedruckt sind, was das Vorankommen erschwert. Da der Schreibstil aber sehr flüssig ist und die Handlung nur so vor Humor, Tiefgang und Spannung strotzt, tut dies dem Lesevergnügen keinen Abbruch.

Zusätzliche Infos:
Titel: Erntedank, Kluftingers zweiter Fall
Autoren: Volker Klüpfel, geboren 1971 in Kempten, aufgewachsen in Altusried, studierte Politologie und Geschichte. Er war Redakteur in der Kultur-/ Journal-Redaktion der Augsburger Allgemeinen und wohnt in Augsburg. Mit seinem Co-Autor Michael Kobr ist er seit der Schulzeit befreundet. Nach ihrem Überraschungserfolg »Milchgeld« erschienen zahlreiche weitere Kluftinger-Krimis, die unter anderem mit dem Bayerischen Kunstförderpreis 2005 in der Sparte Literatur, mit der Corine 2008 und 2008 und 2009 mit der MIMI, dem Krimi-Publikumspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet wurden.
Michael Kobr, geboren 1973 in Kempten, studierte Romanistik und Germanistik, ist Lehrer und wohnt mit seiner Frau und seinen Töchtern im Allgäu. Mit seinem Co-Autor Volker Klüpfel ist er seit der Schulzeit befreundet. Nach ihrem Überraschungserfolg »Milchgeld« erschienen zahlreiche weitere Kluftinger-Krimis, die unter anderem mit dem Bayerischen Kunstförderpreis 2005 in der Sparte Literatur, mit der Corine 2008 und 2008 und 2009 mit der MIMI, dem Krimi-Publikumspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet wurden.
Taschenbuch: 384 Seiten
Sprache: Deutsch
Verlag: Piper
Erschienen am: 01.07.2006
ISBN: 978-3-492-24511-1

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen