Rezension: Seit ich dich gefunden habe

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Seit ich dich gefunden habe - Kat French

Beschreibung des Verlages:
Der Frühstücksspeck verbrannt und ein Feuermelder, der einen Höllenlärm veranstaltet. Wenn das kein gelungenes Katerfrühstück ist. Honey ist genervt und dann mischt sich auch noch ihr unausstehlicher Nachbar Hal ein und beschimpft sie. Er könnte ja zumindest anbieten ihr zu helfen. Stattdessen lässt er sie einfach stehen und verschwindet wieder in seiner Wohnung. Trotzdem, irgendwie hat Honey das Gefühl, dass sich mehr hinter seiner abweisenden Art verbirgt und beschließt nicht einfach aufzugeben und sich mit ihm anzufreunden. Schließlich ist er Koch, da kann er ihr bestimmt einiges beibringen. Doch dann erkennt Honey: Hal ist Blind. Ist es vielleicht eigentlich er, der ihre Hilfe braucht?

Meine Meinung: 
Zuerst einmal muss ich erwähnen, dass mir der Originaltitel "The Piano Man Project" wesentlich besser gefällt, als der deutsche Titel und dass der englische Titel meiner Meinung nach auch viel besser zum Buch passt. Damit wird nämlich von Anfang an klar, dass es sich nicht um eine rührselige Liebesgeschichte handelt - wie der deutsche Titel suggerieren könnte - sondern dass es sich bei "Seit ich dich gefunden habe" eher um eine romantische Komödie handelt.
Von der Idee der Geschichte war ich dann aber leider nicht besonders begeistert und die Umsetzung überzeugte mich vor allem am Anfang nicht. Den wichtigsten Grund dafür habe ich hier schon erwähnt.
Ich werde nun die Dinge beim Namen nennen, damit ich verdeutlichen kann, was ich damit meine. Honey, die charmante und total chaotische Protagonistin, hat ein riesiges Problem: sie hat noch nie in ihrem Leben einen Orgasmus erlebt. Ja, richtig gelesen. Auch nicht alleine. Und nun suchen ihre beiden besten Freundinnen Nell und Tash verzweifelt nach einem mit begnadeten Händen gesegneten Pianisten (deshalb der Originaltitel), der Honey endlich beglücken kann. Nur widert mich die Vorstellung der verzweifelt nach gutem Sex lechzenden, Männer auf Knien um Orgasmen anflehenden und total verklemmten, unselbstständigen Frau, die sich sogar weigert, sich von ihren Freundinnen Tipps oder einen Vibrator andrehen zu lassen, total an. Dieses Bild ist so etwas von von Vorgestern und ich bin zu sehr ein Kind dieser Zeit, um das nur annähernd witzig zu finden.
Auch wenn Honey in Hal etwas sieht, das sie vielleicht nicht sehen sollte, lässt sie sich beleidigen und erniedrigen und er lässt sie betteln und flehen und mich hätte er fast dazu gebracht, das Buch abzubrechen. Aber, oh Wunder, das Ganze beruhigt sich dann, er ist doch nicht mehr so ein Ekel (oder nur noch manchmal) und Honey taut auch langsam auf, aber trotzdem hat mich diese sexistische Haltung von Anfang bis Schluss zuerst wütend gemacht und dann einfach noch gestört. Sind wir denn wirklich noch nicht weiter?

Schreibstil und Handlung:
Zur Handlungsidee habe ich mich wohl nun schon genug geäussert. Wahrscheinlich regt mich die Handlung aber immer noch so sehr auf, weil wirklich ein paar tolle Elemente eingebunden worden sind. Tash und Nell sind fantastisch und wie sich die prüde Nell zu einer experimentierfreudigen Ehefrau entwickelt, hat mir gefallen. Auch die wunderbare und anrührende Geschichte um die alten Damen Mimi und Lucille und ihr Heim hat mich gefesselt und die wunderbaren Rezepte, die geschilderten Kocherlebnisse, das Leben des blinden Hal, so viel Witz und Charme und nicht zuletzt die eigentlich total sympathische, chaotische, hilfsbereite und somit einfach liebenswerte Protagonistin hätten doch so viel mehr Potenzial in sich vereint gehabt.
Nicht zuletzt der witzige, leichte und doch nicht oberflächliche und wunderbar erzählende und beschreibende Schreibstil und die wirklich toll durchdachten Nebenhandlungen, die ein eigenes Buch hätten füllen können und der einigermassen überzeugende Schluss haben mich ein wenig mit dem Buch versöhnen können.

Fazit:
Ohne den Anfang und die Grundhaltung dieses Buches, hätte es mich wohl fesseln und überzeugen können und ich hätte es euch gerne weiter empfohlen. Leider kann ich euch dieses Buch aber aufgrund seiner sexistischen und wirklich veralteten Ausgangslage nicht weiter empfehlen. Wer sich nicht davon abschrecken lässt, ist aber wohl mit dem Humor und den witzigen Nebengeschichten gut beraten. 

Zusätzliche Infos:
Titel: Seit ich dich gefunden habe
Originaltitel: The Piano Man Project
Autorin: Kat French ist mitten im Black Country geboren und aufgewachsen. Diese Region hat sie nie losgelassen und so lebt sie auch heute noch gemeinsam mit ihrem Mann und den beiden Söhnen in den englischen Midlands. Kat ist süchtig nach Romantik. Liebt es davon zu lesen, sie zu sehen und natürlich vor allem darüber zu schreiben. 
Taschenbuch: 348 Seiten (obwohl überall 304 Seiten steht, was nicht stimmt)
Sprache: Deutsch
Originalsprache: Englisch
Übersetzt von: Andrea Härtel
Verlag: MIRA Taschenbuch
Erscheinungsdatum: 10.06.2016
ISBN: 9783956495755

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