Interview-Rezension zu "Die Liebe ist ein schlechter Verlierer" von Katie Marsh mit Patrizia

 
Guten Vormittag ihr alle, ich schicke euch ein wenig Sonne vorbei

Die wunderbare und kreative Patrizia vom Blog Maaraavillosa und ich haben gemeinsam das Buch "Die Liebe ist ein schlechter Verlierer" auf unseren Blogs gelesen. Ich denke, dass wir beide sehr viel Spass damit hatten und weil wir in dieser Mini-Blogleserunde fleissig spoilern durften, konnten wir auch viel genauer auf gewisse Details im Buch eingehen. Hier findet ihr Patrizias Leserundenpost und hier findet ihr meinen Leserundenpost.
Und weil wir das Buch schon gemeinsam gelesen hatten, wollten wir auch eine ein wenig ausgefallenere Form der Rezension wählen. Patrizia hatte die spannende Idee, ein Interview zu gestalten, wie dies Inka und Nicole für ihre Rezension zu "Infernale" von Sophie Jordan getan haben. Auf ihren Blogs könnt ihr gerne einmal stöbern und ihre Interview-Rezensionen findet ihr hier: Inka & Nicole.

Nun will ich euch aber nicht länger auf die Folter spannen, sondern euch das Interview und Patrizias Antorten auf die Fragen präsentieren. Meine Antworten findet ihr übrigens hier bei Patrizia. Weitere Informationen zum Buch finder ihr ausserdem ganz unten in diesem Post.

 
1.) Liebe Patrizia, beschreibe doch einmal den ersten Eindruck, den das Buchcover bei dir hinterlassen hat. Gefällt dir das Cover? Und was sagst du zur ganzen Aufmachung des Buches?
Als ich das Buch zum ersten Mal in die Hand genommen hatte, dachte ich vielmehr an einen sommerlichen Liebesroman, als an eine tragische Liebesgeschichte. Im Nachhinein passt das Cover aber ganz wunderbar, denn geht es nicht darum, dass die Regentage die Sonne in uns nicht überschatten sollten? Das ist definitiv ein Balanceakt, den es auch im Buch zu halten gilt. 

2.) Wie bist du überhaupt auf das Buch "Die Liebe ist ein schlechter Verlierer" von Katie Marsh aufmerksam geworden? Was hat dich zum Buchkauf veranlasst? War es der Klappentext, das Cover oder hast du dich von anderen Buchmeinungen beeinflussen lassen?
Ich wusste ehrlich gesagt bis zur Leipziger Buchmesse 2016 gar nichts von diesem Buch. Auf dem Lovelybooks Lesertreffen wurden anschließend Goodie-Bags verteilt und da war eben dieses Buch dabei! 

3.) Mit jedem Buchkauf geht natürlich auch eine bestimmte Erwartungshaltung einher: was war(en) deine Erwartung(en) an das Buch und konnten sie erfüllt werden?
Nachdem wir beide beschlossen haben dieses Buch gemeinsam zu lesen, habe ich mich erstmal etwas genauer mit dem Klappentext beschäftigt und habe gehofft, dass es sich nicht um so ein 08/15-Liebesdrama handelt. Das war eigentlich meine einzige Befürchtung. Und die war vollkommen unbegründet, da die Autorin Katie Marsh die Liebestragödie an sich sehr geschickt in ein Themenfeld verpackt, was so wahrscheinlich von sehr wenigen bearbeitet wurde. 

4.) Hannah, die Protagonistin des Buches “Die Liebe ist ein schlechter Verlierer”, ist in ihrer Beziehung und in ihrem ganzen Leben sehr unglücklich. Verstehst du die Gründe, die sie dazu veranlasst haben, mit ihrem Mann Tom Schluss machen zu wollen?
Selbst wenn ich mich dazu außerstande sehe, denselben Weg wie Hannah einzuschlagen, konnte ich ihr dennoch sehr gut nachempfinden. Sie hatte eben mit einer andauernden Ablehnung zu kämpfen, wurde permanent für ein Versagen verantwortlich gemacht, für das sie aber gar nicht verantwortlich ist. Sie gibt sich mit sehr wenigen Dingen schnell zufrieden (ein Bier und Chips im Pub, prima!), ihr wird aber schon fast das Gegenteil zugeschrieben. Wenn Zuneigung dann auch noch immer mehr zum Fremdwort wird, du dich aber für deinen Partner selbst beinahe vergisst… gesund ist das nicht!

5.) Ein besonders tragisches Ereignis zwingt Hannah und auch Tom dazu, ihr Leben und ihre Liebe komplett neu zu überdenken und zu bewerten. Sie müssen also auf die “harte Tour” lernen, dass sie einiges ändern müssen. Wie hat dir die Umsetzung dieses Einschnittes in Hannahs und Toms Alltag gefallen?
Ich denke, dass Katie Marsh den veränderten Alltag nicht besser hätte skizzieren können. Sie hat an sämtliche Szenarien gedacht, die Tom in seinem neuen Leben hinderlich und für Hannah eine Herausforderung sind, schlägt dabei aber auch nicht über die Stränge, sodass man genug von der Thematik hat. 

6.) Im Verlauf der Geschichte erfahren wir Leserinnen und Leser immer mehr von Hannahs und Toms gemeinsamer Geschichte aus Toms Sicht. Haben diese Einblicke deine Sicht auf Hannah verändert?
Sie haben meine Sicht der Dinge nicht unbedingt verändert, sie haben sie vielmehr bestärkt, da ich mir durchgehend beim Lesen dachte, was Hannah für eine starke Frau ist. Das passt auch zu ihrem Lebensstil, der sie über die Jahre auch im Kennenlernen mit Tom geprägt hat. Sie ist jugendlich und lebensbejahend. Sie ist eine Lehrerin, die ganz große Ideale verfolgt! Eigenschaften die Tom vielleicht auch gerne gehabt hätte? Die beiden sind ja tatsächlich wie Yin und Yang. Während Hannah beinahe kein Wässerchen trüben kann, Ausgleich ihr zweiter Vorname ist und sie immer das Beste aus einer Situation macht, ist Tom viel eher jemand, der nach dem „Besser, schneller, weiter“-Prinzip verfährt, nach Sicherheit strebt und aus der Ruhe kommt, wenn sich Dinge nicht so entwickeln, wie er es gerne hätte. Dazu kommt, dass Tom vielleicht einen Job gewählt hat, den er früher einmal unbedingt machen wollte, der aber mit den Jahren einfach nicht mehr zu ihm passt. Die stetigen Misserfolge tun ihr Übriges. Das hat es mich schon gewundert, wie lange die beiden es generell miteinander so ausgehalten haben. 

7.) Wie würdest du die Charaktere Hannah und Tom mit drei Worten beschreiben?
Hannah: lebensbejahend, idealistisch, Träumerin
Tom: Workaholic, stur, lebensmüde

8.) War die Geschichte in deinen Augen insgesamt stimmig aufgebaut?
Bis auf einige kleine Textpassagen, die eindeutig zu kurz oder abrupt ausfielen, ist Katie Marsh auf jeden Fall ein stimmiges Buch gelungen, das viele Aspekte einfängt und herausstellt. Die Sprache ist super, die wechselhaften Kapitel zwischen Ist und War sind meiner Meinung nach auch gelungen. Mehr Feilen hätte die Autorin an der Figur der Julie können, die war mir auch zum Ende hin noch wenig sympathisch, zu blass und nur holprig weiterentwickelt. Ihre Rolle in der Geschichte hätte man auch einwandfrei durch jemand anderen ersetzen können, sie war für mich eher störend als fördernd für den Verlauf des Buches. 

9.) Wie hättest du dich in Hannahs Situation verhalten, welche Ziele und Träume in deinem Leben hättest du auf jeden Fall noch in Angriff nehmen wollen?
Ich glaube, ich hätte es gar nicht erst soweit kommen lassen. Ich bin aber auch niemand, der mit einer Engelsgeduld gesegnet ist (mal abgesehen in meinem Job, da geht das komischerweise). Ich hätte vermutlich schon viel eher die Reißleine gezogen und Tom daran erinnert, dass Arbeit und der damit einhergehende Luxus keine Alternative ist, wenn du dein Leben nur noch am Schreibtisch verbringst und dass man von dort auch nicht wirklich am Leben teilnimmt. Außerdem hätte ich ihm ganz klar gesagt, dass er vergisst, dass in dieser Beziehung zwei Individuen stecken, die doch gleichermaßen an ihren Interessen hängen. Hannah ist meiner Meinung nach doch ein Mensch, der sich mit den kleinen Dingen des Lebens zufrieden gibt, solange sie dann alle paar Jahre mal ein großes Abenteuer erleben kann. An Hannahs Stelle wäre es mein Wunsch gewesen, dass Tom diese Reiselust mit mir teilt.

10.) Hast du vielleicht ein schönes Zitat/eine Lebensweisheit aus dem Buch für dich mitnehmen können? Wenn ja, zitiere!
Vielleicht so etwas wie „Lebe und denke nicht an morgen“?! Ich habe für mich einmal wieder mehr mitgenommen, dass man sich dem „Ich muss“-Gedanken nicht immer allzu sehr hingeben sollte, dafür ist das Leben einfach zu kurz und Müßiggang ist keinesfalls immer etwas Schlechtes. Andererseits transportiert die Geschichte ja auch ein bisschen Gesellschaftskritik insofern, als dass wir Menschen uns in gewisser Weise krank arbeiten können, weil wir nicht rechtzeitig die Reißleine ziehen. Arbeit einfach mal Arbeit sein lassen, uns auf die Schulter für all das klopfen, was wir haben und leisten. Unser Privatleben doch mal ein bisschen mehr genießen, Zeitfenster öffnen.  Ich denke, dass diese einfachen Dinge in der heutigen strebsamen Zeit sehr kostbar sind. Burnout und andere, durch zu starke Belastung, ausgelöste Krankheitsbilder sind heutzutage keine Einzelfälle mehr.  Deshalb ist es immer umso wichtiger, diesen scheinbar abgedroschenen Begriff „work life balance“ als solchen doch mal ernst zu nehmen. 

11.) Ganz zum Schluss würde mich noch interessieren, wem du dieses Buch weiterempfehlen würdest und warum.
Ich würde dieses Buch all jenen empfehlen, die sich von einer Liebesgeschichte ein bisschen mehr erwarten. Mehr erwarten insofern, als dass es eben nicht um 08/15-Liebesdreiecke geht, sondern um Tragödien, die aus dem echten Leben gegriffen und ins Fiktionale transportiert wurden. Hochtrabend ist Katie Marsh deshalb keinesfalls, dafür aber vor allem eins: lebensnah! Ich habe dem Buch übrigens vier von fünf Sternen vergeben.

Vielen Dank für das spannende Interview und die wunderbaren Antworten, die sich doch so sehr von meinen Antworten unterscheiden :-)



 
Die Liebe ist ein schlechter Verlierer - Katie Marsh

Beschreibung des Verlages:
Hannah will Tom verlassen. Morgen sagt sie es ihm. Und dann erfüllt sie sich ihren Traum, nach Afrika zu gehen. Tom will an seiner Ehe festhalten, sei sie noch so eingefahren. Er ignoriert die Probleme, will einfach nur neben Hannah einschlafen und morgen ins Büro fahren. Doch dazu kommt es nicht … 

Hannah und Tom wissen nicht, dass morgen alles anders sein wird. Dass Hannah ihre Pläne aufgeben muss und Tom nie wieder in sein altes Leben zurückkehren kann. Auch wissen sie nicht, dass ihre Liebesgeschichte noch nicht zu Ende ist und dass manche Träume einen Umweg nehmen müssen, bevor sie in Erfüllung gehen …
 

Zusätzliche Infos:
Titel: Die Liebe ist ein schlechter Verlierer
Originaltitel: My Everything
Autorin: Katie Marsh lebt mit ihrer Familie in London, schreibt Bücher und ist im Gesundheitswesen tätig. Die Inspiration zu ihrem Debüt "Die Liebe ist ein schlechter Verlierer" verdankt sie ihrer Arbeit mit Schlaganfallpatienten. Sie liebt es, mit ihrer Tochter im Park zu toben, ihrem Mann den Toast zu stehlen und Karaoke zu singen. Ihr zweiter Roman ist bereits in Arbeit.
Paperback, Klappenbroschur: 416 Seiten
Sprache: Deutsch
Originalsprache: Englisch
Übersetzt von: Angelika Naujokat
Verlag: Diana
Erschienen: 28.03.2016  
ISBN: 978-3-453-28522-4

Kommentare:

  1. Eine wunderbare idee ihr Beiden! Ein tolles Interview! Nun werde ich gleich zu Patrizia rüberhuschen und deine Antworten lesen, liebe Livia
    Liebe Grüße
    Martina

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Vielen Dank liebe Martina und ganz liebe Grüsse dir
      Livia

      Löschen
  2. Guten Morgen meine Liebe :)

    Mir hat es sehr viel Spaß mit dir gemacht, auch wenn wir beide ein bisschen im zeitlichen Stress waren. Wir haben es trotzdessen (oder gerade deshalb?)prima hinbekommen!

    Wollen wir diese Aktion in den Ferien wiederholen?

    Viele liebe Grüße an dich,
    Patrizia :)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Patrizia

      Da hast du recht, das hat wirklich sehr gut geklappt. Nur schade, dass niemand sonst mitgelesen hat. Denkst du an eine gemeinsame Leserunde oder an einen Lesemarathon oder sonst eine Bloggeraktion?

      Ganz liebe Grüsse
      Livia

      Löschen