Rezension: Peer Gynt

Peer Gynt - Henrik Ibsen

Beschreibung des Verlages:
"Peer, du lügst!", lässt Henrik Ibsen zu Beginn seines glanzvollen "dramatischen Gedichts" Peer Gynts Mutter Aase ausrufen - und ein Lügner ist ihr Sohn in der Tag: ein Prahlhans, ein Fabulierer, der sehnsüchtig alles Fantastische über die nüchterne, elende Wirklichkeit stellt. Zusehends verschwimmen die Grenzen zwischen Träumerei und Realität, und schon bald gerät der abenteuerhungrige Bauernsohn auf der Suche nach Ansehen und Wohlstand in das dämonisch-mythische Reich der Trolle... Ibsens "Peer Gynt", 1876 uraufgeführt, wurde zu Recht of mit "Don Quijote" und "Faust" verglichen. Diese Ausgabe präsentiert Ibsens meisterhaftes Versdrama in der einzigartigen Übersetzung von Christian Morgenstern.

Meine Meinung:
"Peer Gynt" habe ich im Rahmen meiner Masterthesis gelesen. Da ich mit meinen Schülerinnen die Peer Gynt Suite von Edvard Grieg im Unterricht thematisiere, einstudiere und aufführe und am Schluss des Semesters auch live im Konzertsaal anhören gehe, wollte ich unbedingt endlich einmal das der Musik zugrunde liegende Drama lesen um meinen Schülerinnen die Geschichte von Peer Gynt zu erzählen und einen Bezug zur Musik herstellen zu können. Dass die Peer Gynt Suiten Griegs von der Schauspielmusik und dem Drama "Peer Gynt" - nur schon von der Reihenfolge der Sätze her - ziemlich von der Erzählung Ibsens abweicht, war mir schon immer klar. Wie sehr sich aber die von Grieg selber zur konzertanten Aufführung zusammen gestellten Suiten wirklich vom eigentlichen Drama unterscheiden, bemerkte ich erst beim Lesen dieser derben, skurrilen, zynischen und tragischen Geschichte. Und man kann über Ibsen sagen, was man will, aber "Peer Gynt" ist hochaktuell, total spannend und eigentlich nicht für Kinderohren gedacht. Und trotzdem habe ich die Geschichte meinen Schülerinnen erzählt. In einer ganz "lieben" Version.

Schreibstil und Handlung:
Die sehr klare, derbe und deftige Sprache Ibsens passt zum unsteten Charakter von Peer Gynt. Dieser junge Mann schafft es immer wieder, sich selber und die ganze Welt zu belügen und den Bogen zwischen verschiedensten und sehr starken Emotionen zu spannen. Es hat mich unglaublich berührt, wie Peer seiner Mutter eine letzte Fantasiegeschichte erzählt um ihr das Sterben leichter zu machen und wie diese arme und einfache aber sehr gute Frau ihren Sohn immer beschützt hat. Nach dem Tod seiner Mutter hält ihn nichts mehr zu Hause und eine abenteuerliche und fantastische Reise beginnt. Ich habe einige Male laut gelacht, weil mich der Wortwitz und die Absurdität der Geschichte und Peers Lügengespinsten so unterhalten hat. Am Ende wird es dann wieder total tragisch und Peer muss sich selber - mittlerweile ein alter Mann - eingestehen, dass er sein Leben ziemlich verwirkt hat. Aber zum Glück gibt es immer noch die eine Frau, die ihm treu geblieben ist...
Die Handlung hat mich total fasziniert und da ich auch sehr viel über die Schauspielmusik gelesen und mir die einzelnen Nummern immer wieder angehört habe, wurde mir so vieles noch klarer. Grieg schaffte es mit seiner Musik, den Witz, die Sozialkritik und die Tragik des Dramas vorzüglich aufzugreifen, auch wenn sie aus heutiger Sicht nicht mehr zur Geschichte zu passen scheint und erst weil ich das Drama von Ibsen gelesen habe, verstehe ich auch die Musik besser und umgekehrt. Da sage noch einer, dass wir Musiker im Studium zu Fachidioten mit Tunnelblick erzogen werden...

Meine Empfehlung:
Lest dieses Drama, aber lest es nicht euren Kindern vor (es gibt aber auch für Kinder geeignete Bilderbücher), ihr werdet sonst in Erklärungsnot kommen. Hört dazu auch beide Peer Gynt Suiten von Edvard Grieg und wer noch mehr Informationen zu den Unterschieden und Gemeinsamkeiten vom Drama und der Musik möchte, darf sich gerne bei mir melden. Ich bin nämlich gerade dabei, eine Zusammenstellung für meine Schülerinnen zu schreiben.

Zusätzliche Infos:
Titel: Peer Gynt
Untertitel: Ein dramatisches Gedicht
Autor: Henrik Ibsen
Fester Einband: 208 Seiten
Sprache: Deutsch
Originalsprache: Norwegisch
Übersetzt von: Christian Morgenstern
Verlag: Anaconda
ISBN: 978-3-86647-793-3

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