Rezension: Alabama Song

Alabama Song - Gilles Leroy

Klappentext:
Scott und Zelda Fitzgerald sind das Glamourpaar der Roaring Twenties. In New York, Paris, an der Cote d'Azur begegnen sie den grossen Kpnstler ihrer Zeit, geben sich dem kollektiven Lebensrausch einer ganzen Epoche hin. Doch während Scott hier den Stoff für seine Romane findet, muss Zelda sich ein Leben lang verstecken, um schreiben zu können.


Meine Meinung:
Ich hatte sehr viel von diesem Buch erwartet und meine Erwartungen wurden leider ein wenig enttäuscht. Ich bewundere die Art und Weise, in welcher der Autor die Figuren beschreibt und ich bewundere es, wie er versucht, sich Zelda anzunähern und ihre Sicht der Dinge zu schildern. Trotzdem hatte das Buch für mich viele Längen und ich hatte irgendwann keine Lust mehr auf die Anklageschrift gegen Scott FItzgerald. Denn dies ist es manchmal fast ein wenig und obwohl es brillant geschrieben und voller Details, Poesie und Spannung erzählt wird, war es leider einfach nicht so nach meinem Geschmack. Der Schluss dieses Buches aber hat mich total überzeugt, berührt und liess mich sehr nachdenklich zurück. Dies liegt vor allem am gekonnten Umgang des Autors mit der Sprache und mit den tollen Bildern, die er vor allem am Anfang und Ende des Buches skizzierte.

Schreibstil und Handlung:
Von der Handlung her ist es ganz wichtig zu erwähnen, dass dieses Buch keinen Anspruch hat, eine Biografie zu sein. Es versucht vielmehr, die im Schatten ihres Mannes stehende Zelda ein wenig von ihrem Bild einer psychisch kranken Frau reinzuwaschen und ihre schriftstellerische Stärke aufzuzeigen. Somit handelt es sich dabei vor allem um romanhafte Fiktion, die aber der Wahrheit durchaus ziemlich nahe kommen dürfte. Ausserdem gilt es zu berücksichtigen, dass zu dieser Zeit viele Autoren und Künstler ihre Probleme mit Alkohol, Drogen und Frauen hatten. Dass eine Frau in der Szene verkehrte, war schon einmal nicht üblich und wenn sie dann noch genau so süchtig war wie die Männer, so galt sie schnell einmal als krank, während dies bei Männern total legitim war.
Die Sprache dieses Buches kann ich nur loben. Sie beschreibt genau und einfühlsam und stellt Zelda als verzweifelte, zerstörte aber trotzdem starke Frau dar, die einfach nur lieben und schreiben wollte und beides nur unter einengenden Bedingungen tun konnte. Rasante Szenenwechsel, eindrückliche Bilder und derbe innere Monologe machen dieses Buch zu einem erzählerischen Meisterwerk und lassen die glitzernde Scheinwelt der Roaring Twenties aufleben und auch wieder verglühen. Ich habe mich im Mittelteil des Buches ein wenig verloren, weil mir da zu viel Gefasel und zu wenig Inhalt war, aber dies ist Geschmacksache.

Empfehlung:
Dieses Buch empfehle ich als kritische Lektüre allen Fans von Scott und als aufbauende und suchende Idee allen Fans von Zelda Fitzgerald.

Zusätzliche Infos:
Titel: Alabama Song
Autor: Gilles Leroy wurde 1958 bei Paris geboren und studierte Geisteswissenschaften mit besonderem Schwerpunkt auf der amerikanischen und der japanischen Literatur. Seine oft autobiografisch geprägten Romane erscheinen seit 1990 beim Verlag Mercure de France. Der »Prix Goncourt« für »Alabama Song« machte ihn über Nacht zu einem Star der französischen Literaturszene.  Autoreninfoto vom Kein & Aber Verlag, bei dem dieses Buch im eBookformat erschienen ist
Taschenbuch: 240 Seiten
Sprache: Deutsch
Originalsprache: Französisch
Übersetzt von: Xenia Osthelder
Verlag: Heyne
ISBN 978-3-453-40748-0

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