Untreue

Dieses Buch wurde mir von Lovelybooks zur Verfügung gestellt und ich durfte damit an einer Leserunde teilnehmen.

Untreue - Paulo Coelho

Beschreibung des Diogenes Verlages:
"Ich will dir treu sein und dich ewig lieben. In guten wie in schlechten Zeiten. Bis dass der Tod uns scheidet." Wenn es nur so einfach wäre! Linda hat alles, doch das Entscheidende fehlt. Hat sie den Mut, die Frage nach der Leidenschaft zu stellen? Denn zu einer großen Liebe ist man ein Leben lang unterwegs.
Jung, attraktiv, erfolgreich – und todunglücklich. Linda versteht sich selbst nicht mehr. Müde und lustlos schleppt sie sich durch ihr Leben. Dabei hat sie vieles, was es zum Glücklichsein braucht: eine gesicherte Existenz, einen wunderbaren Ehemann, süße Kinder, einen spannenden Beruf. Doch sie spürt keine Begeisterung, und es fällt ihr immer schwerer, Fröhlichkeit vorzutäuschen. Sie beginnt von einem anderen Leben zu träumen. Durch die Begegnung mit einem alten Jugendfreund gerät Linda in einen Strudel der Leidenschaft, der sie alles riskieren und in die Abgründe ihrer Seele blicken lässt. Muss man manchmal untreu sein, um sich selbst wieder treu zu werden?

Meine Meinung:
Dieses Buch war mein erstes Buch von Coelho und da ich schon so viel Gutes von ihm gehört hatte und unbedingt einmal ein Buch von ihm lesen wollte, ging ich mit grossen Erwartungen in die Leserunde hinein. Diese setzte sich sehr differenziert und äusserst kritisch mit dem Roman auseinander und es brachen einige hitzige Diskussionen zu gewissen Szenen und dem Autor selber aus. Wir alle - ich leider eingeschlossen - konnten dem Buch nicht viel abgewinnen. Ich möchte euch hier meine persönliche Sicht schildern, die sich weitläufig mit den Erfahrungen der anderen Leserinnen und Leser deckt, wer sich aber noch genauer mit dem Buch und der Leserunde auseinander setzen will, soll sich doch die Leserunde bei Lovelybooks einmal anschauen.
Das vorherrschende Gefühl während der Lektüre war Langeweile und Genervtheit über die Protagonistin. Obwohl einige von uns den Schreibstil fantastisch fanden, war dies nicht meine Meinung. Coelho langweilt uns mit einer oberflächlichen Geschichte, mit einer langeweiligen und oberflächlich beschriebenen Familie, mit einer wirklich schlechten und sehr unzutreffenden Beschreibung des Lebens in der Schweiz und mit einer äusserst schleppenden Handlung.

Schreibstil und Handlung:
Selten habe ich ein Buch gelesen, das so oberflächlich geschrieben war. Und wenn auch einzelne Satzkonstrukte vielleicht schön gebastelt sind und wenn vielleicht einige Leserinnen und Leser ein paar spirituelle Wahrheiten aus dem Buch heraus lesen können (ich kann es sicher nicht, weil mich diese Art der Predigt an den erhobenen Zeigefinger in der katholischen Kirche erinnert, wenn auch mit anderem Inhalt), so bleibt der Schreibstil doch oberflächlich. Es ist nicht so wichtig für mich, eine Beschreibung des Äusseren von Personen zu erhalten, aber wenn man schon eine Frau, ihren Charakter und ihre Beziehung beleuchten will, so erwarte ich doch eine genauere Beschreibung der Situation und zwar vor allem von einem Mann, der berühmt sein soll für seine Tiefsinnigkeit.
Die musste ich wirklich suchen und gefunden habe ich sie leider nicht wirklich. Ich habe das Buch vor mehr als einer Woche beendet, die Leserunde weiter beobachtet und mir einige Gedanken dazu gemacht, aber ich komme immer noch nicht zu einem besseren Urteil.
Leider kann ich auch zur Handlung keine wirklich guten Worte verlieren. Denn eigentlich passiert in diesem Buch nicht viel. Eine Frau fühlt sich nicht mehr wohl in ihrer Haut, flüchtet in etwas, das man weder Affäre, noch Beziehung oder sonst etwas nennen kann und fühlt sich damit auch nicht wohl. Mehr verrate ich nicht, aber schon dieses Schema kennen wir aus tausenden von Romanen, die vielleicht spannender geschrieben sind und trotz ihrer Absehbarkeit mehr Handlung beinhalten.
Über Linda konnte ich nur den Kopfschütteln und über gewisse Ideen der Protagonistin und über Handlungsverläufe, die zum Haare raufen sind habe ich teilweise sogar gelacht. Aber nicht amüsiert, sondern trocken und genervt.

Protagonisten:
Die Protagonistin Linda ist leider so langweilig, wie ihr Leben, ihr Beruf, ihr Wohnort und ihre Familie. Sie versucht, aus einer Situation auszubrechen, die eigentlich gar kein Problem darstellt. Das Problem ist sie selber und hat sie selber und statt nur einen Moment zu überlegen, was sie denn anstelle ihrer Familie, ihres Berufs und ihres Mannes will, stürzt sie sich kopflos in eine vermeintliche Besserung. Dazu kommen noch unlogische Drogengeschäfte, eine vermeintliche Rivalin und Geheimhaltungsstress.
Mehr erfährt man nicht. Weder über den Ehemann von Linda, noch über ihre anscheinend so geliebten Kinder.

Fazit:
Wenn Paulo Coelho eine Studie zur Langsamkeit und zur Langeweile hätte verfassen wollen, wäre dieses Buch ein Volltreffer geworden. Aber was er hier darzustellen versucht, gelingt ihm definitiv nicht. Auch der Autor von Weltbestseller kann einmal ein faules Ei in seinem Output haben, keine Frage, aber weiterempfehlen kann ich dieses Buch definitiv nicht.

Zusätzliche Infos:
Autor: Paulo Coelho
Hardcover Leinen: 320 Seiten
Sprache: Deutsch
Originalsprache: Portugiesisch
Übersetzt von: Maralde Meyer-Minnemann
Verlag: Diogenes
ISBN 978-3-257-06908-2

Kommentare:

  1. Das ist ja witzig. Ich selbst bin eigentlich großer Fan von Coelho. Dieses Buch hier kenne ich allerdings auch noch nicht. Mal schauen wie es mir zusagen wird, wenn ich es denn mal lese.

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    1. Es war mein erster Coelho und hat mich zugegeben ein wenig abgeschreckt. Ich werde jetzt auf jeden Fall ein wenig warten, bis ich "Veronika beschliesst zu sterben" lese, weil ich Angst habe, dass ich mich sonst nur auf negative Dinge im Stil und der Handlung achte.

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  2. Witzig: Das wolle ich auch schreiben. Unmittelbar, bevor ich jetzt den Compi aufgemacht habe, habe ich das Buch in einem Katalog gesehen und mir gedacht: Das ist das nächste Buch, welches sich lesen werde.
    Nun lasse ich es wohl doch bleiben. :)

    Lieben Gruss
    Gabriela

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    1. Ich will dir natürlich nicht davon abraten, das Buch zu lesen, aber ich rate dir davon ab, es zu kaufen. Das ist tatsächlich aus dem Fenster geworfenes Geld. Vielleicht kannst du es irgendwo ausleihen oder vielleicht verschenke ich es hier auf dem Blog zwischen allen Mutigen :-)

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  3. Ph, da kan ich ja fast froh sein, dass ich nicht für die Leserunde ausgewählt wurde! Ich habe auch shcon wo anders keine sehr gute Kritik darüber gelesen und so werde ich mir das Buch dann wohl eher doch nicht kaufen.....schade, denn ich bin auch anderes vom Autor gewohnt!
    Liebe Grüße
    Martina

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    1. Wie schon geschrieben, den Autor selber möchte ich gar nicht grundsätzlich kritisieren. Dafür kenne ich mich viel zu wenig aus mit seinen Büchern. Nur vermute ich, dass dieses Buch nur gedruckt wurde, weil sich ein Coelho mittlerweile unabhängig vom Inhalt verkauft. Ein Erstling mit diesem Inhalt wäre wohl im Altpapier gelandet.

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