Mattuschkes Versuchung

Dieses Rezensionsexemplar wurde mir vom ILV-Verlag zur Verfügung gestellt und ich bedanke mich herzlich dafür.

Mattuschkes Versuchung - Rolf Ersfeld

Klappentext:
Die hübsche Studentin Louise lernt den schweigsamen Rick kennen und bezieht mit ihm eine Wohnung im Hause seines Chefs, des charmant-raffinierten Autohändlers Mattuschke.
Mattuschke, aufgewachsen im Zirkus, hat durch diese Erfahrung gelernt, Reaktionen von Mensch und Tier vorauszuahnen. So konnte er sich zu einem überlegenen Gegner mit genialer Überredungskunst entwickeln, was ihm nicht nur bei seinen Geschäften entgegen kommt.
Nach Louises Trennung von Rick unternimmt Mattuschke alles, um sie als Mieterin zu behalten. Er gibt ihr einen Job, wird zu ihrem Wohltäter und bringt sie durch sein großzügiges Verhalten unmerklich in gefährliche Abhängigkeit. Die arglose Louise bemerkt nicht, was hinter Mattuschkes Verhalten steckt. Ihrer burschikosen, selbstbewussten Freundin Gila jedoch kommt so viel Freundlichkeit verdächtig vor.
Gilas Warnungen nimmt Louise nicht ernst.
Als sie Paul lieben lernt, zerbricht die scheinbare Idylle. Mattuschkes wahre Beweggründe und subtile Manipulationen kommen ans Tageslicht. Louise ist schockiert und sinnt auf Rache.
Der Roman deckt menschliche Abgründe hinter liebenswerten Gesichtern auf, feinfühlig, hoch spannend, erotisch.

Inhalt:
Louise ist jung, gebildet, attraktiv und scheint Männer magisch anzuziehen. Nur leider beweist sie bei der Auswahl ihrer Freunde nicht wirklich ein glückliches Händchen. Schon klar, dass da bis jetzt fast keine ihrer Beziehungen wirklich lange gehalten hat. Irgendwann können ihre Freunde nicht mehr mit ihr mithalten, sind eifersüchtig auf die Blicke anderer Männer oder haben selber so ein so grosses Ego, dass Louise daneben gar nicht mehr beachtet wird.
Ihr Vermieter Mattuschke aber ist von der ersten Sekunde an fasziniert von Louise. Er liest ihr jeden Wunsch von den Augen ab, hat einen sechsten Sinn dafür, was sie beschäftigt und ob es ihr gut oder schlecht geht und möchte auf keinen Fall, dass sie wieder aus seiner Wohnung auszieht.
Schnell merkt der Leser, dass Mattuschke Louise irgendwie beschattet oder beschatten lässt und dass er sie wohl auch in ihrer Wohnung beobachtet, sonst wüsste er nicht so viel über ihr Leben. Nur Louise, die sonst eigentlich sehr klug ist, scheint ihn überhaupt nicht zu durchschauen und bringt damit sich und auch ihre grosse Liebe Paul, den ersten Mann, der sich wirklich für sie interessiert, in grosse Gefahr.

Meine Meinung:
Wie schon in "Winterbirnen" und "Balthasars Hände" haben wir es hier mit einigen interessanten, komplizierten und leider auch an den Haaren herbei gezogenen Verstrickungen zu tun. In "Mattuschkes Versuchung" aber wurden mir diese Wendungen definitiv zu viel. Weil das Buch nicht in Kapitel sondern nur in sehr kleine bis grössere Abschnitte gegliedert ist und weil ich in diesem Werk von Rolf Ersfeld mit Abstand die meisten Fehler und die ungereifteste Sprache angetroffen habe, wirkt "Mattuschkes Versuchung" gegenüber den anderen Werken von Ersfeld und gegenüber fast allen anderen Büchern, die ich in letzter Zeit gelesen habe, sehr handgestrickt.
Wenn sich ein Autor eine einfache Sprache, verstrickte Geschichten, sehr kurze Abschnitte, viele Personen und ein Gefühlschaos zum Markenzeichen macht, bewegt er sich häufig auf einem Grat zwischen wirklich noch lesenswert und leider an den Haaren herbei gezogen. "Mattuschkes Versuchung" gehört definitiv zu letzterem Punkt, was ich eigentlich schade finde, weil die Geschichte definitiv Potenzial hätte. Nur haben wir es hier mit einer guten Geschichte zu tun, die schlecht erzählt ist. Und obwohl am Ende noch einmal richtig Spannung aufkommt, so überwiegen doch die vielen Längen.
Auch die im Klappentext erwähnte Erotik und die Feinfühligkeit sind leere Wörter, die der Vermarktung dienlich sein sollten. Mattuschkes erotisches Verständnis wird leider als unnatürlicher Trieb, statt als Form der Sexualität dargestellt, obwohl dabei wirklich nichts anrüchiges ist und - bei der richtigen Art, damit umzugehen - niemand zu Schaden kommt. Auch die Feinfühligkeit habe ich im Buch nicht gerade häufig angetroffen. Vielmehr benehmen sich die Personen wie Elefanten im Porzellanladen und Subtilität scheint in den Handlungen der einzelnden Charaktere, wie auch in ihren Worten definitiv ein Fremdwort zu sein.
Ich konnte mich auch mit der Personenkonstellation nicht wirklich anfreunden. Weil ich Krimis mag und auch häufig lese oder im Fernsehen sehe, war mir sofort nach Mattuschkes "Umbau" klar, wie er Louise beobachten konnte. Das kann natürlich eine Idee für eine Geschichte sein, dass aber Louise gar nicht merkt, dass Mattuschke zu viel über ihr Leben weiss, macht sie nicht etwa zu einer Person, die seinem Charme erliegt oder zu einem naiven Wesen, sondern es macht sie zur eigentlich dümmsten Figur in der ganzen Geschichte, was aber sonst überhaupt nicht zu ihrem Studium, ihrer Intelligenz und ihrer Art passt. Die Figuren sind zwar spannend ausgearbeitet, gut beschrieben und haben auch ihre eindeutig zugewiesenen Charakterzüge, aber diese Idee ist definitiv nicht zu Ende gedacht. Die junge Frau hätte das fiese Spiel viel schneller durchschauen müssen, vor allem, weil ihre beste Freundin Gila und auch ihr damaliger Freund Rick von Anfang an sehr skeptisch waren.
Alle anderen Entwicklungen fand ich spannend, vielleicht ein wenig zu konstruiert, aber ansonsten sehr durchdacht. Nur leider passiert immer unglaublich viel Handlung in sehr, sehr kurzer Zeit. Mit einigen gehaltvolleren Formulierungen oder überleitenden Sätzen und Geschehnissen, statt endlosen Aufzählungen von Ereignissen in unendlich kurzen Absätzen, wäre "Mattuschkes Versuchung" zwar doppelt so dick, aber wahrscheinlich auch doppelt so lesenswert.

Empfehlung:
Leider kann ich dieses Buch nicht wirklich weiter empfehlen. Wer aber trotzdem neugierig darauf geworden ist, wie gross Mattuschkes Gemeinheiten sind, kann sich dieses Buch einmal genauer ansehen. Ich habe euch aber gewarnt.

Zusätzliche Infos:
Autor: Rolf Ersfeld
Taschenbuch: 285 Seiten
Sprache: Deutsch
Verlag: Die Informationslücke
ISBN 978-3-905955-35-4

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