Tagesgedanken "Was will uns der Valentinstag sagen?"

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Was will uns der Valentinstag sagen?

Während früher am Valentinstag noch handgeschriebene und schüchtern in der Kleidung oder der Schulmappe versteckte Briefchen und in Nachbars Garten gepflückte Blumen als Zeichen der grossen Liebe verschenkt wurden, überbieten sich heute reiche Ehemänner und betuchte Liebhaber mit Restaurantbesuchen, Unmengen von Blumen Schokolade und Schmuck. Angespornt durch Werbung von Blumenhändlern und Confisseuren fühlen sich Jahr für Jahr mehr Menschen, meistens Männer, verpflichtet, ihren Partnerinnen und Partnern Geschenke von grossem materiellen Wert zu machen. Wie Weihnachten wurde auch der Valentinstag, eigentlich eine gute Idee, kommerzialisiert und aufs brutalste ausgeschlachtet.

Die meisten Männer fühlen sich verpflichtet, ihren Freundinnen/Frauen/Geliebten zumindest Blumen zu schenken. Viele Frauen, die in einer Beziehung leben und trotzdem leer ausgehen, weil sich ihre Partner entschlossen haben, den Valentinstag nicht zu zelebrieren, oder die diesen Tag schlicht und einfach vergessen haben, sind enttäuscht oder fühlen sich ihren reich beschenkten Freundinnen gegenüber schon fast minderwertig. Muss dies so sein?
Und müssen es immer die Männer sein, die ihre Freuen beschenken (müssen)? Was gibt gewissen Frauen das Recht, von ihren Männern Blumen zu fordern? Und was führt sie dazu, Sätze zu sagen wie "Ich finde auch, dass der Valentinstag teilweise ein wenig überbewertet wird, aber so denkt mein Mann wenigstens einmal im Jahr daran, mir Blumen zu schenken"? Ist es die Pflicht der Männer, Blumen zu schenken, Frauen zum Essen einzuladen? Kann nicht auch die Frau einmal ein Wochenende im Hotel buchen und ihren Mann damit überraschen? Können nicht auch Frauen Blumen nach Hause bringen und ihren Liebsten mit Geschenken überhäufen?
Ich bin ehrlich gesagt der Meinung, dass keine Frau auf der Welt ein Recht darauf hat, von ihrem Mann Blumen oder andere Geschenke zu fordern. Und ich denke, dass kein Mann sich von seiner Frau oder von der Gesellschaft dazu gezwungen fühlen sollte. Für eine Beziehung und für das Aufrechterhalten der selben braucht es nämlich immer zwei und dabei sollten die Rollen nicht zu stereotyp verteilt sein.

Wenn ein Mann sagt, dass er Valentinstage nicht mag, dass sie ihm nichts bedeuten und dass er seine Partnerin lieber an einem ganz normalen Tag im Jahr mit einer kleinen Karte oder einem selbst gekochten Essen überrascht, dann wird er als Romantiker bezeichnet, der sich nichts aus Konventionen macht und der vielleicht am Valentinstag eigentlich schon seiner Frau gedenken sollte, der aber von diesem kleinen Makel nur menschlicher gemacht wird.

Wenn eine Frau sagt, dass sie sich nichts aus Valentinstagen macht, dass sie von ihrem Freund nichts erwartet, ihm einen kleinen Brief schreiben will und mit ihm zusammen dann essen gehen will, wenn sie halt beide gerade Zeit haben und nicht, wenn es ein Datum erfordert und wenn sie sagt, dass ihre Liebe keine Verpflichtungen zum Schenken und keine einmal-im-Jahr-Blumensträusse braucht, sondern dass sie tiefsinnige Gespräche und gemeinsame Abende viel wichtiger für eine Beziehung findet, dann gilt sie als frustiert. Als eine frustrierte Frau, die leer ausgegangen ist und sich dies irgendwie erklären musste.

Was aber, wenn die Frau wirklich so denkt? Was aber, wenn ich wirklich so denke?
Wenn ich mir wirklich nichts daraus mache? Ich weiss, dass ich mienen Liebsten liebe und ich weiss, dass er dies auch tut. Ich schreibe Unmengen von Briefchen und verstecke Schokolade und andere Naschereien in seinen Sachen. Er bringt mir ab und zu eine Blume (Max Havelaar Rosen) oder eine Flasche Wein vorbei, ist immer für mich da und hat kürzlich eine Mousse au chocolat für mich zubereitet und die Küche danach perfekt aufgeräumt, als ich gerade in einer Klassenstunde war.
Dies alles, unsere unendlich langen Gespräche, die vielen gemeinsamen Erlebnisse und das sichere Gefühl, jemanden an seiner Seite zu haben, ist doch alles einfach viel wertvoller, als ein erzwungenes Geschenk.
Zu wissen, dass er heute mit seinen liebsten Freunden eine Lan-Party "feiert", dass er glücklich ist und dass ich schon bald wieder seine Stimme hören kann, bedeutet mir mehr, als Rosen. Die Tatsache, dass ich ihm heute eine lange Nachricht geschrieben habe und er mir eine Antwort versprochen hat, ohne, dass ich eine gefordert habe, erfüllt mich mit Glück und Freude.
Und es wäre ja nicht so, dass ich noch nie ein Valentinstagsgeschenk vom Liebsten bekommen hätte, wer dies nachlesen will, tut es hier.
Ich bin eine hoffnungslose Romantikerin, ich gebe es zu. Und ich liebe Geschenke, romantische Abende, gemeinsames Kochen und Essen und lange, lange Gespräche. Aber ich brauche kein Datum dafür.

Was will uns also der Valentinstag sagen? Kann es ein, dass er uns eigentlich aufzeigen will, dass wir ohne wirkliche, ehrliche Gefühle und tiefe Freundschaften und Liebe eigentlich nichts sind? Will er, dass wir uns ab und zu selbst an der Nase nehmen und uns eingestehen, dass uns die Gesellschaft und der Konsumrausch gewisser Menschen dazu zwingen, mit der Masse mitzuziehen?
Oder ist es womöglich doch sinnvoll, dass es Tage gibt, an denen Menschen sich gezwungen fühlen müssen, sich gegenseitig Aufmerksamkeit zu schenken, weil sie es sonst gar nicht mehr tun?

Was will uns der Valentinstag sagen? Was macht er mit uns?
Sagt ihr es mir, ich bitte darum.

Kommentare:

  1. Wir haben einander schon immer gesagt, dass der Valentinstags nichts besonderes ist .. und am Ende haben wir uns bislang doch immer eine Kleinigkeit geschenkt. Aber das haben wir beide gemacht.. und es war nie so, dass nur ich auf Blumen gewartet hätte. Es ist für uns ein Anlass die geliebte Schokopralinen für den/die Süße/n zu kaufen .. die wir uns sonst einfach mal so vom Haushaltsgeld in den Einkaufswagen legen. Mehr nicht. Ich kann dich also verstehen ..
    LG

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    1. So ging es uns auch schon, einfach nicht am Valentinstag. Wir wollten unser Einmonatiges eigentlich nicht feiern (ja, wir waren jung, verliebt und kindisch, sind wir immer noch aber nun sind es bald drei Jahre und das kann man eher feiern), haben uns aber trotzdem beide Schokolade geschenkt und zwar die selbe (was nicht abgesprochen war) ;-)
      Auf Blumen warte ich auch nie, generell nicht auf Geschenke. Ausserdem habe ich ihm auch schon Blumen mitgebracht und ich finde das auch schöner, wenn man eine kleine Aufmerksamkeit geschenkt bekommt, ohne damit gerechnet zu haben.
      Das finde ich nett von dir. Eine weniger, die mich als frustierte leer Ausgegangene bezeichnet :-)

      Ich wünsche dir einen wunderschönen Abend und danke dir herzlich für deinen Kommentar.

      Liebe Grüsse
      Livia

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    2. Hallo Livia,
      ich warte auch nie auf Blumen .. im Gegenteil. Als er mir damals bei unserem Einjährigen keine Rosen geschenkt hat, bin ich ihm um den Hals gefallen, dass er das Klischee nicht bedient hat und Schnittblumen hauchen ohnehin nach zwei Wochen ihr Leben aus.. was ist das für ein Symbol für eine Beziehung?!
      In dem Sinne ein Hoch auf die nicht frustrierten!

      Liebe Grüße und danke sich für deinen Kommentar
      Jimmy

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