Die Glut

Die Glut, Sándor Márai

Klappentext:
Darauf hat Henrik über vierzig Jahre lang gewartet: Sein Jugendfreund Konrad kündigt sich an. Nun kann die Frage beantwortet werden, die Henrik seit Jahrzehnten auf dem Herzen brent: Welche Rolle spielte damals Krisztina, Henriks junge und schöne Frau? Warum verschwand Konrad nach jenem denkwürdigen Jagdausflug Hals über Kopf? Eine einzige Nacht haben die beiden Männer, um den Fragen nach Leidenschaft und Treue, Wahrheit und Lüge auf den Grund zu gehen.

Diese Geschichte bedrückt und macht nachdenklich. Anfangs irritierte mich die Zeitform Präsens sehr, ich gewöhnte mich aber immer mehr daran. Auch sonst überraschte die Geschichte immer wieder. Als Henrik seinen Jugendfreund Konrad endlich trifft, ist alles so wie damals, als sie sich das letzte Mal gesehen haben. Aber nun endlich werden alle diese Fragen gestellt und teilweise auch beantwortet, die Henrik so lange beschäftigten. Speziell daran ist, dass Henrik eigentlich eine Nacht lang spricht, einen Monolog führt. Sein Gast kommt dabei selten zu Wort und meistens nur bestätigend. Wenn man sich ein wenig mit der Geschichte des Autors beschäftigt, sieht man schnell einige Prarallelen zu den beiden Figuren im Buch. Die einsamen Stunden, welche Henrik wohl genutzt hatte, um seine Gedanken zu formulieren überschneiden sich mit der Einsamkeit des Autors und nicht selten wird der Eindruck erweckt, dass beide Figuren zu einer Person werden und plötzlich wieder total auseinander driften.

Alles in allem eine sehr seltsame Erzählung, welche mich ein wenig verwirrt zurück liess. Wurde wirklich alles geklärt? Reicht das den Beteiligten schon? Und hatte Konrad eigentlich gar keine Fragen oder haben sich diese einfach erübrigt?

Eine Nachruf auf die Toten und ein akzeptieren des baldigen Todes, aber vor allem eine krampfhafte Suche nach Absolution, Rache, Vergebung und Wahrheit. Treffend beschrieben von Thomas Wirtz von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung:
"Sándor Márai hat einen grandiosen, einen quälenden Gespensterroman geschrieben, einen Totengesang der Überlebenden, denen die Wahrheit zum Fegefeuer geworden ist. Die Glut hat ihnen das Leben zur Asche ausgebrannt."

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