Bücher-Adventskalender 2011, Buch 23

Traumnovelle, Arthur Schnitzler

Albertine und Fridolin. Ein ganz normales Ehepaar mit einem Kind. Doch während eines Ballfestes erinnern sich die beiden an vergangene Romanzen und gedankliche Seitensprünge. Sie sprechen an einem sonst stillen Abend darüber und wiederholen immer und immer wieder, dass sie beide nicht wirklich fremd gegangen sind, sondern nur mit dem Gedanken an ein aussereheliches Abenteuer gespielt haben.
Doch dann hat Albertine einen hocherotischen und zugleich sehr verwirrenden und erschütternden Traum, in dem sie Fridolin mit hunderten von Männern betrügt und ihn, als er zum Tode verurteilt wird, auch wirklich sterben lässt. Sie erzählt Fridolin jedes Detail des Traumes und weckt ihn ihm eine grosse Eifersucht und auch einige Rachegefühle.
Immer wieder spielt er von dann an mit dem Gedanken, seine Frau zu betrügen, macht es aber dann doch nicht. Für ihn besteht der Nervenkitzel darin, sich auf eine Frau einzulassen, dann aber doch nicht aufs Ganze zu gehen und sie ohne einen Betrug wieder zu verlassen. Doch dann trifft Fridolin einen Jugendfreund, welcher ihm Zugang zu einem geheimen Maskenball verschafft, der sich dann aber als eine Orgie entpuppt. Und nicht nur das. Fridolins Tarnung fliegt auf.

Eine Geschichte voller Abgründe, Liebe und Lust, geheimen Wünschen und der Frage, was im Leben überhaupt zählt. Der Inhalt dieser Novelle wird mit einer wunderbaren Sprache erzählt. Zum Beispiel überlässt der Autor das, was auf dem Maskenball wirklich passiert, der Fantasie des Lesers. Und auch sonst wird viel mit Andeutungen und Symbolen gearbeitet. Dieses Geschichte, welche immer ein wenig am Abgrund der menschlichen Seele balanciert, ist eine kluge und verlockende Geschichte über die vielen kleinen und grossen Geheimnisse, die wir alle haben und mit denen wir ganz unterschiedlich umgehen. Der Reiz des Verbotenen und moralisch Verwerflichen wird sowohl vom Autor, wie auch vom Leser gänzlich ausgekostet. Wenn man zusätzlich bedenkt, dass Arthur Schnitzler ein Zeitgenosse von Sigmund Freud war, bekommt die Novelle und die damit verbundenen gesellschaftlichen Tabus und Rollenbilder noch eine ganz andere Dimension.

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