Weihnachtskrimi Folge 8


Als er das Wohnzimmer betrat roch er es sogleich. Seine Frau Maria hatte gebacken. Weihnachtsgebäck und einen Gemüsegratin. Dies passte natürlich perfekt und er konnte es kaum erwarten, sie in den Arm zu nehmen.
„Hallo Liebste“, rief er, als er die Küche betrat.
Sie erwiderte die Begrüssung und küsste ihn sanft.
„Essen ist fertig“, flüsterte sie ihm zu bevor sie sich wieder ihren Töpfen zuwandte.
Er rief sofort nach den Kindern Martina und Samuel und setzte sich dann an den Tisch.
Als er so sass, kam ihm in den Sinn, eine gute Flasche Wein zu öffnen. Er eilte also sogleich in den Keller und als er mit einem seiner Schätze nach oben kam, hatten sich seine Kinder bereits gesetzt. Maria war gerade dabei, den Gratin zu verteilen und er begann, die Flasche zu entkorken.
Als alle sassen und es sich schmecken liessen, fühlte er sich in einen Film versetzt. Alles wirkte so vertraut und perfekt, so angepasst und idyllisch.
Nach einiger Zeit gestand er sich jedoch zu, dass er diese Idylle verdient hatte, weil er sich sonst schon täglich mit unangenehmen Dingen zu beschäftigen hatte.
Das Essen schmeckte ihm gleich noch besser und er fragte seine Kinder, was sie in der Schule alles erlebt hatten.
Sie hassten diese Fragen ihres Vaters, die wie einstudiert wirkten und ihnen das Gefühl gaben, sich in einem Kreuzverhör zu befinden. Sie spielten aber ihren Part mit (was ihnen insgeheim trotzdem Freude bereitete) und fragten ihn nach seiner Arbeit.
Diese Fragen beantwortete er nur ganz flüchtig. Er wollte seine Kinder ein wenig vor der Realität verschonen und vor allem wollte er sie immer zuerst langsam an einen neuen Fall, ein weiteres schreckliches Ereignis heran führen. Sie mussten auch nicht alles wissen. Für die ganze Wahrheit hatte er ja Maria. Sie war eine aufmerksame Zuhörerin und hatte ihn schon in einigen Situationen aufgefangen, als ihm ein Fall zu nahe ging oder ihn zu fest einnahm.
Glücklich schaute er sich in der bunten Runde um. Seine Familie war alles, was er hatte und er war sehr stolz darauf. Er genoss es, seinen Fall zumindest einen Abend lang ruhen lassen zu können.
Als sich die Kinder in ihre Zimmer zurück zogen um ihre Hausaufgaben zu machen (oder zumindest so zu tun, als würden sie ihre Aufgaben machen), räumte er die Küche auf und setzte sich dann zu seiner Frau ins Wohnzimmer. Sie sass bereits in ihrem gemütlichen Sessel und las in verschiedenen Zeitungen und Zeitschriften des Tages. Er tat es ihr gleich und erfuhr so, dass sich der Weltfussballverband noch immer bestechen liess, dass das Fernsehen immer noch Menschen dazu verleitete, irrwitzige Wetten abzuschliessen und dass die Menschen in Haiti verhungerten und an der Cholera starben während die Menschen in Europa immer dicker wurden.
Diese ganzen Schlagzeilen bedrückten ihn und er beschloss, sich einen guten Film anzusehen. Weil auf keinem der fünfzig Sender etwas annähernd Brauchbares zu finden war, resignierte er.
Maria tat es ihm bald einmal gleich und so sassen sich die beiden mit einem Weinglas in der Hand gegenüber und diskutierten und als sie bemerkten, dass es schon lange nach Mitternacht war, legten sie sich schliesslich schlafen.

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