Tristesse

Morgen über einem See

Es ist wieder Zeit, der Herbst schleicht unaufhaltsam vorbei und der Winter naht mit grossen Schritten. Zeit für Trübsal und Trauer. Wem wird es nicht manchmal kalt ums Herz, wenn er nach draussen in den Nebel blickt, wer denkt nicht einmal schwarz vor lauter Dunkelheit und Nacht.
"Winterdepression" wird sie dann manchmal genannt, diese Zeit von Herbst bis Frühling, während dieser der Mensch in Folge von Sonnenmangel und daraus resultierendem Vitamin D Mangel manchmal den Boden unter den Füssen verliert. Ein kleiner, romantischer Film, die Erinnerung an einen lieben Verstorbenen oder ein unnötiger Streit genügen und schon stürzen die Tränen.
An Weihnachten, dann, wenn das Fest der Liebe gefeiert wird und sich die Einsamen noch einsamer fühlen, schnellt die Suizidrate in die Höhe. Und die, welche Weihnachten überstehen, müssen auch noch Silvester alleine feiern.
Doch es ist so einfach, sich einsam zu fühlen, es ist so schön, auch einmal so richtig traurig zu sein, es sein zu dürfen. Für jedes Problemchen muss mittlerweile eine massgeschneiderte, preiswerte und sofortige Lösung gefunden werden.
Vielleicht geht es nur mir so. Aber ich geniesse es manchmal, traurig zu sein, zu weinen, zu klagen. Ich kann daraus auch Kraft schöpfen. Logisch darf diese Situation sich nicht zu einem Zustand entwickeln. Aber ich mag Tränen, ich mag Taschentücher, ich mag Schokolade und Kitschkomödien.
Ich fordere mehr Mut zur Traurigkeit und vor allem zur anmutig gelebten Traurigkeit, zur Tristesse. Gleichzeitig erwarte ich mehr Verständnis und Akzeptanz für die, welche wirklich leiden, wirklich Hilfe benötigen. Also nicht nur Mut zur Tristesse, auch Mut dazu, Menschen auf ihre Probleme oder ihre sich bereits zu einem Zustand entwickelte Situation anzusprechen.
Und jetzt werde ich in die Dunkelheit hinaus blicken, mich für eine kurze Zeit von diesem vielbeschworenen Vitamin D lossagen und so richtig schön gemütlich ein paar Tränen vergiessen.

Gute Zeit und geniesst die wunderschöne Stimmung am Morgen, wenn die Sonne dann doch einmal aufgeht. Vielleicht rührt euch ja dieser Anblick zu Tränen...

Eponine

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen