Einsam und verfolgt...


Es war schwül. Die Sonne brannte auf die Schilfrohre am Ufer und den kleinen See. Das Wasser glitzerte in einer bescheidenen Schönheit und die Luft darüber flimmerte. Die Ruhe über der Ebene hatte etwas einschläferndes. Sogar die Mücken waren verstummt.
Langsam und schwerfällig setzte er einen Fuss vor den anderen. Eigentlich war es zu heiss, sich zu bewegen aber wäre er stehen geblieben, wäre er verbrannt. Er gab ein klägliches Bild ab, als er sich am Ufer niedergleiten liess und seine mageren Hände wie ein Verdurstender ins Wasser tauchte. Hastig schöpfte er sich Wasser ins Gesicht, fuhr sicht mit nassen Fingern durch die Haare und begann dann, seine Schuhe abzustreifen. Als seine Füsse die klare Oberfläche des Sees berührten und dann immer tiefer ins Wasser gestreckt wurden, durchfuhr ihn ein ungeheuerliches Gefühl einer plötzlichen und unerwarteten Erfrischung.
Er legte sich, die Füsse immer noch im Wasser, auf den Rücken und verbarg sein Gesicht im Schatten einiger Schilfrohre vor der Sonne, welche immer unbarmherziger auf ihn herab schien. Nach und nach löste sich auch die Versteifung seiner Nackenmuskulatur wieder und er fühlte, wie er ohne es zu wollen aber unaufhaltsam eindöste.

Als er erwachte, war es zappenduster und ein kühlter Wind kitzelte ihn an der Nasenspitze. Die Wasseroberfläche kräuselte sich und vereinzelt hörte man das Singen von Grillen. Die Schilfrohre wiegten sich sanft im Wind. Etwas kleines kitzelte ihn am Arm und ohne zu überlegen schnippte er sich den Käfer von seiner Haut. Er richtete sich vorsichtig auf. Er wusste, dass er sich still verhalten musste, denn sie waren dicht hinter ihm her. Diese zwei Nächte, die er ohne Pause durchmarschiert war, hatten ihm einige kostbare Stunden Aufschub gewährt, aber sie waren viele und er war alleine. Nun ja, fast alleine. Irgendwo hielt sich sein Informant auf, der ihm schon immer treu zur Seite gestanden hatte. Aber jetzt hatte er sich verirrt und niemand konnte ihm helfen, weil niemand wusste, wo er sich verbarg. Mit einer fliessenden Bewegung zog er seine Füsse aus dem Wasser. Dann schlüpfte er wieder in seine Schuhe hinein und marschierte weiter.

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